SMARTERION im Interview - Innovation braucht Struktur
SMARTERION AG, 

Innovation braucht Struktur: Wie aus Produktdaten ein neues Geschäftsmodell entsteht

Ein Interview mit Reto Bonderer, smarterion AG + Philipp Teichert, myview systems GmbH (Webinaraufzeichung vom 26.08.2026)

Wie wird aus einem komplexen Leuchtenbaukasten ein einfach planbares, bestellbares und international skalierbares Produkt? smarterion zeigt mit luxKIT, wie Hardware, strukturierte Produktdaten und digitale Anwendungen zusammenspielen. Im Gespräch erklärt Reto Bonderer, warum xmedia dabei zur zentralen Basis wurde – und weshalb gute Produktdaten weit mehr ermöglichen als Datenblätter und Exporte.

DIe Idee

Komplexität reduzieren

Reto, was steckt hinter luxKIT – und welche Idee stand am Anfang?

Reto Bonderer: Wir beschäftigen uns bei smarterion seit unserer Gründung 2009 mit LED-Leuchten. Dabei sind wir immer wieder auf dieselbe Herausforderung gestoßen: Was auf den ersten Blick einfach aussieht, wird in der Praxis schnell komplex. Wo wird das Kabel eingespeist? Welches LED-Modul wird benötigt? Wie lassen sich Leuchten verbinden? Wie verhindert man Schattenbildung?

Diese Komplexität wollten wir reduzieren. Daraus ist über die Jahre die Idee für luxKIT entstanden: ein modularer Baukasten, mit dem sich lineare LED-Leuchten einfach zusammenstellen lassen. Die einzelnen Komponenten werden über ein Klicksystem verbunden – werkzeuglos und ohne Löten. Der Elektriker kann die Leuchte damit direkt auf der Baustelle passend zur Anwendung konfektionieren.

Das Unternehmen:

Innovative Lichtlösungen aus der Schweiz – smarterion im Porträt

 

Die smarterion ag ist ein Schweizer Hersteller von LED-Beleuchtungssystemen mit Sitz in Mels im Kanton St. Gallen. Das 2009 gegründete Unternehmen beschäftigt rund 65 Mitarbeitende und entwickelt und produziert hochwertige LED-Leuchten sowie individuelle Lichtlösungen – auch in kleinen Stückzahlen.

Eine der innovativsten Entwicklungen ist luxKIT, ein patentiertes modulares LED-Baukastensystem, das Planung, Konfiguration und Montage von Lichtlinien deutlich vereinfacht. Neben eigenen Produkten ist smarterion auch als OEM-Partner tätig und realisiert kundenspezifische Beleuchtungslösungen.

Smarterion besuchen
Philipp Teichert & Reto Bonderer im Gespräch

Wann wurde klar, dass Produktdaten für dieses Konzept eine entscheidende Rolle spielen?

Reto Bonderer: Das war uns eigentlich schon vor luxKIT bewusst. Deshalb hatten wir xmedia bereits für unser bestehendes Produktgeschäft eingeführt.

Bei einem Baukastensystem wie luxKIT wird die Bedeutung strukturierter Daten aber noch einmal deutlicher. Es gibt sehr viele Kombinationsmöglichkeiten. Ohne ein intelligentes System würde der Aufwand für die Pflege irgendwann enorm.

Gleichzeitig müssen wir unsere Daten für ganz unterschiedliche Anwendungen und Kanäle bereitstellen: für den Elektrogroßhandel beispielsweise als BMEcat, für Datenblätter und Montageanleitungen oder für die Lichtplanung und Relux. Würden wir all das mit unterschiedlichen Tools und Datenbeständen lösen, würde der Aufwand irgendwann explodieren.

Deshalb war für uns klar: Auch luxKIT muss zentral über xmedia abgebildet werden.

Grundlagen

Die Bedeutung strukturierter Daten

Was unterscheidet die Produktdaten eines Baukastens von denen einer klassischen Leuchte?

Reto Bonderer: Bei einer fertigen Leuchte ist es relativ einfach. Ich kann sagen: Diese Leuchte hat eine bestimmte Leistung, einen bestimmten Lichtstrom und eine bestimmte Gehäusefarbe.

Bei luxKIT entsteht die fertige Leuchte aber erst durch die Konfiguration. Der Elektriker setzt sie aus verschiedenen Komponenten selbst zusammen.

Genau das mussten wir datentechnisch abbilden. Wir pflegen also beispielsweise ein LED-Modul als einzelne Komponente. Am Ende interessiert den Anwender aber nicht nur der Lichtstrom dieses Moduls, sondern der Lichtstrom der kompletten Leuchte – inklusive Profil, LED-Modul und Diffusor.

Herausforderung

Die fertige Leuchte entsteht erst durch die Konfiguration

Reto Bonderer, smarterion ag

„Ohne strukturierte Produktdaten wäre diese Skalierung nicht möglich

Reto Bonderer, smarterion ag 
Umsetzung

Die Daten liegen strukturiert vor und können für unterschiedliche Ausgabekanäle immer wieder neu genutzt werden.

Philipp, wie habt ihr diese Herausforderung in xmedia gelöst?

Philipp Teichert: Wir bilden in der luxKIT-Klassifikation zunächst nicht die fertige Leuchte ab, sondern die einzelnen Komponenten: Profile, LED-Module, Konnektoren, Endkappen, Abdeckungen und weitere Bestandteile.

Die technischen Informationen werden möglichst dort gepflegt, wo sie tatsächlich entstehen – an der jeweiligen Komponente. Gleichzeitig haben wir Regeln hinterlegt, die bestimmen, welche Komponenten miteinander kombiniert werden können.

Für bestimmte Informationen reicht die einzelne Komponente allerdings nicht aus. Ein Produktbild kann beispielsweise eine konkrete Kombination aus Profil und Abdeckung zeigen. Deshalb erzeugen wir im Hintergrund die möglichen Kombinationen. An diesen können anschließend solche kombinationsabhängigen Informationen hinterlegt werden.

Der entscheidende Punkt ist: Die Informationen müssen trotzdem nur einmal an der richtigen Stelle gepflegt werden. Bei der Ausgabe führt xmedia die benötigten Daten automatisch wieder zusammen.

Was entsteht daraus konkret?

Philipp Teichert: Zum Beispiel Datenblätter, Montageanleitungen, LDT-Dateien oder BMEcat-Exporte. Auch die Anbindung an Relux basiert auf diesen Daten.

Für ein Datenblatt werden die benötigten Informationen automatisch aus den verschiedenen Komponenten und ihren Beziehungen zusammengestellt. Genau darin liegt die Stärke des Ansatzes: Die Daten liegen strukturiert vor und können für unterschiedliche Ausgabekanäle immer wieder neu genutzt werden.

Von Grund aus neu denken
 

Von der Planung über die Bestellung und Montage bis zum After Sales und zur Logistik 

luxKIT besteht aber nicht nur aus dem Hardware-Baukasten. Welche Rolle spielt der Konfigurator?

Reto Bonderer: Wir wollten nicht nur die Hardware neu denken, sondern den gesamten Prozess – von der Planung über Bestellung und Montage bis zum After Sales und zur Logistik.

Deshalb haben wir eine App entwickelt. Dort kann der Anwender Projekte und Räume anlegen, einen Grundriss importieren oder direkt auf einem Raster planen. Anschließend wählt er das gewünschte Profil, Farbe, Abdeckung und Lichtfarbe aus und zeichnet seine Leuchte direkt in den Raum ein.

Aus dieser Planung berechnet das System automatisch, welche Komponenten benötigt werden. Der Anwender bekommt also beispielsweise die Anzahl der Profile, LED-Module und Endkappen angezeigt.

Und aus der Planung kann direkt eine Bestellung werden?

Genau. Die Stückliste kann exportiert oder direkt an einen angebundenen Elektrogroßhändler übergeben werden. Der Anwender meldet sich dort mit seinem bestehenden Zugang an und erhält seine individuellen Preise und Konditionen.

Damit das funktioniert, müssen natürlich alle Artikel beim Großhandel sauber angelegt sein. Auch hier kommen wieder unsere strukturierten Produktdaten ins Spiel: Wir beliefern die Partner unter anderem über BMEcat und ETIM.

So entsteht eine durchgängige Kette von der Konfiguration bis zur Bestellung.

Welches wirtschaftliche Ziel verfolgt smarterion mit diesem Ansatz?

Ein wesentliches Ziel war, ein Produkt zu schaffen, das wir international skalieren können.

Unsere früher individuell konfektionierten Leuchten ließen sich nur schwer exportieren. Jede Leuchte war letztlich ein Unikat. Wenn eine Leuchte beispielsweise drei Millimeter zu lang war und zurückgenommen oder ausgetauscht werden musste, wurde das schnell kompliziert.

Mit luxKIT haben wir standardisierte Komponenten. Die Logistik ist einfacher, die Teile sind palettisierbar und dieselben Bestandteile können für unterschiedliche Produkte eingesetzt werden.

Damit können wir das Geschäft wesentlich leichter in andere Märkte bringen.

Wo steht ihr heute mit dieser Internationalisierung?

Wir konnten in Deutschland bereits ein größeres Geschäft aufbauen und verschiedene Großhandelspartner gewinnen. Jetzt geht es darum, das System bei den Anwendern noch bekannter zu machen.

Gleichzeitig erschließen wir weitere Länder. In Österreich und Luxemburg haben wir bereits Partner, an den Niederlanden arbeiten wir aktuell. Grundsätzlich ist das Konzept so aufgebaut, dass wir luxKIT weltweit vertreiben können.

wirtschaftliche Zukunft

Von standardisierten Komponenten einfacher zur Internationalisierung

Benefit

Einfache Skalierung über xmedia

Welche Bedeutung hat xmedia für diese Skalierung?

Reto Bonderer: Eine sehr große. Ohne die strukturierten Daten in xmedia wäre diese Skalierung in dieser Form kaum möglich.

Allein die Versorgung der Großhandelspartner über BMEcat ist ein zentraler Baustein. Wenn wir in weitere Länder gehen, benötigen wir außerdem mehrsprachige Unterlagen und Daten. Mit einer zentralen und strukturierten Datenbasis lässt sich das wesentlich einfacher umsetzen.

Das Spannende zeigt sich auch bei neuen Produkten: Der Aufbau des Systems war zunächst natürlich mit Aufwand verbunden. Heute können wir aber ein neues Profil ergänzen, die entsprechenden Werte pflegen und viele nachgelagerte Informationen und Ausgaben automatisch erzeugen.

 Weiterentwicklung des Sortimens

Das heißt: Der eigentliche Nutzen zeigt sich besonders beim Weiterentwickeln des Sortiments?

Absolut. Wir haben noch viele Ideen für weitere Profile und Anwendungen. Neu ist beispielsweise ein Universal-Umrüstkit für größere Lichtkanäle.

Wenn ein neues Produkt in den Baukasten kommt, müssen wir heute nicht sämtliche Informationen und Ausgaben neu aufbauen. Wir ergänzen die relevanten Daten und können daraus beispielsweise Lichtströme berechnen, LDT-Dateien erzeugen oder die Informationen für Relux bereitstellen.

Wenn das System einmal aufgebaut ist, ist das sehr praktisch.

 

Planung in der Konfigurator-App
wie geht´s weiter? 

Neue Märkte & Produktbaukasten ausbauen

Und was kommt als Nächstes?

Wir wollen einerseits weitere Märkte erschließen und andererseits den Produktbaukasten ausbauen. Heute arbeiten wir beispielsweise überwiegend mit externen Netzteilen. Künftig möchten wir auch Anwendungen abdecken, bei denen Netzteile in größere Profile integriert werden.

Daneben kommen neue regulatorische Anforderungen hinzu. Der digitale Produktpass ist dafür ein gutes Beispiel. Für uns wäre es wichtig, auch solche Anforderungen wieder aus unserer bestehenden Datenbasis bedienen zu können – anstatt dafür ein weiteres separates Tool einzuführen.

Und auch beim Konfigurator sehen wir weiteres Potenzial. Teile der Konfiguration werden heute noch manuell gepflegt. Je komplexer der Baukasten wird, desto interessanter wird es, auch diese Informationen automatisiert aus xmedia bereitzustellen.

Mehr über luxKIT

Wenn man luxKIT auf einen Gedanken reduzieren müsste – welcher wäre das?

Reto Bonderer, smarterinon ag

Wir wollten Komplexität nicht einfach digital abbilden, sondern sie reduzieren. Dafür braucht es einen durchdachten Produktbaukasten – und eine Datenstruktur, die diesen Baukasten über alle Prozesse hinweg trägt.

Reto Bonderer, smarterinon ag
Das Interview auf youtube sehen:  

Innovation braucht Struktur: Wie aus Produktdaten ein neues Geschäftsmodell entsteht

Ein Interview mit Reto Bonderer, smarterion AG + Philipp Teichert, myview systems GmbH (Webinaraufzeichung vom 26.08.2026)

Im Interview berichten Reto Bonderer, CTO bei smarterion ag, und Philipp Teichert, Projektleiter bei myview systems, wie aus einer Produktidee in kurzer Zeit ein marktreifes digitales Produkterlebnis entstand – und warum strukturierte Produktdaten dabei den entscheidenden Unterschied machten.

Freuen Sie sich auf spannende Einblicke in die Entstehung von luxKIT sowie eine Live-Demonstration des eigen entwickelten Konfigurators.

HIghlights & Mehrwerte aus dem Projekt:

Single Source

Komponenten und ihre Beziehungen werden strukturiert in xmedia gepflegt und für unterschiedliche Anwendungen genutzt.

Smarter Baukasten

Intelligenter Produktbaukasten – Komplexe Kombinationsmöglichkeiten von Profilen, LED-Modulen, Abdeckungen & Co. werden über Regeln beherrschbar.

Durchgängige Prozesse

Durchgängige Prozesse – 
Von Konfiguration und Planung über BMEcat, Relux und Datenblätter bis zur Bestellung beim Elektrogroßhandel.

Skalierbares Wachstum.

Neue Produkte, weitere Vertriebspartner, Mehrsprachigkeit und internationale Märkte lassen sich deutlich effizienter erschließen.
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